Buchen Sie Ihren Aufenthalt
Portrait_Anna Salamin

Anna Villani Salamin

Die Gassen des alten Dorfkerns von St-Luc kennt Anna schon seit ihrer Kindheit. Früher ging sie auf dem Schulweg durch sie hindurch, und heute führt sie dort Besucher herum. Nach ihrem Studium in Lausanne und Italien kehrte sie in die Berge zurück, in denen sie aufgewachsen ist. Als Reiseleiterin und Betreuerin bei Anniviers Tourisme vermittelt sie nun die Orte und Traditionen, die Teil ihrer Geschichte sind.

Als drittes von sechs Kindern wurde Anna in St-Luc geboren und wuchs dort auf. Als kleines Mädchen durchquerte sie den alten Dorfkern, um zum Kindergarten zu gelangen, und einige Jahre später, um den Bus nach Vissoie zu nehmen. Ihr Alltag war geprägt vom Familienleben und den Traditionen des Dorfes. Anna studierte Kunstgeschichte und Italienisch in Lausanne und verbrachte ein Jahr abwechselnd in Florenz und Verona. Nach ihrem Abschluss begann sie als Führerin im Glasmalereimuseum von Romont. Von italienischen Kunstwerken bis hin zu Glasmalereien lernte sie, Geschichten zu erzählen, zu erklären und ihr Wissen weiterzugeben, bevor sie in die Berge zurückkehrte, die sie so liebt, um bei Anniviers Tourisme zu arbeiten. Ein Beruf, der es ihr nun ermöglicht, das Kulturerbe ihres eigenen Tals anderen näherzubringen. 

Jedes Jahr im Januar trifft sich Anna mit ihrer Familie in der Brotkammer und am Gemeinschaftsbackofen von St-Luc, um Roggenbrot zu backen. Ein Brauch, an dem sie schon seit ihrer Kindheit teilnimmt und der eine für das Dorf typische Besonderheit aufweist: Hier werden dem Teig Kartoffeln beigemischt. Es ist eine Gelegenheit, als Familie zusammenzukommen und die gemeinsam erlernten Handgriffe weiterzuführen. Früher nahm Roggen, der an die Bedingungen in den Bergen angepasst war, einen wichtigen Platz in der Walliser Ernährung ein. Der Dorfbackofen wurde nur ein paar Mal im Jahr angezündet: Die Familien backten dort ihr Brot, das sich mehrere Monate lang halten liess. Heute ermöglichen die in St-Luc und Grimentz angebotenen Aktivitäten den Besuchern, dieses Know-how zu entdecken, indem sie ihr Brot vor dem Backen im Dorfbackofen selbst formen. Anna gibt ihnen so eine Tradition weiter, die sie seit ihrer Kindheit lebt. 

Im Laufe der Jahre haben sich weitere Familientraditionen erhalten. Am Fronleichnamstag trägt Anna voller Stolz die Tracht aus Anniviers, so wie es schon ihre Grossmutter Auroire tat, und führt damit ihrerseits diesen Dorfbrauch fort. Ihr Dorf bringt sie den Besuchern auch bei den Führungen näher. St-Luc birgt für sie kaum Geheimnisse, und dank ihrer Erinnerungen kann sie den Erklärungen eine persönliche Note verleihen. Sie erzählt von den Orten mit dem Blick einer Einheimischen, die dort aufgewachsen ist. Ihre Tätigkeit führt sie auch an andere Orte im Tal. Im Sommer führt sie Besucher ins Innere des Moiry-Staudamms und begleitet Gruppen durch die Stollen des Kupferbergwerks La Lée oberhalb von Zinal. Im Winter führt sie Besucher in das «Curl’Charlette» ein, ein vom Curling inspiriertes Spiel, bei dem die Steine durch Kuhhocker ersetzt werden. 

Anna gehört zu jenen Einwohnern, die das Leben im Val d’Anniviers prägen. Hinter einem Dorfrundgang oder einer frisch gebackenen Brotmischung stehen Menschen, die mit Leidenschaft ihr über Generationen weitergegebenes Wissen, aber auch ihre Erinnerungen und ihre Verbundenheit mit dem Tal teilen.