
Sébastien verbrachte seine ersten sieben Lebensjahre in Muraz, einem Ortsteil von Sierre, der historisch zu Chandolin gehörte – zu einer Zeit, als das Rütteln der Champagnerflaschen die Einwohner des Anniviers je nach Jahreszeit auf Reisen schickte. Da seine Eltern etwas Neues entdecken wollten, hatten sie das Tal verlassen, um sich in der Ebene niederzulassen. Doch ihre Verbundenheit mit dem Val d’Anniviers führte die Familie Bonnard 1980 ganz selbstverständlich zurück nach Vissoie.
Seine ersten Schritte im Berufsleben machte Sébastien am Herd: Er absolvierte eine erste Lehre als Koch im Spital von Sierre, gefolgt von einer zweiten Lehre als Konditor, Confiseur und Glaceur in Sion. Nach Abschluss dieser beiden Ausbildungen ging es nach Savatan zur Rekrutenschule, wo er als Einheitsfurrier in der Gebirgsinfanterie diente. Anschliessend arbeitete er in Deutschland an der Weinstrasse und danach in Genf in einem Sternerestaurant.
Er kehrte mit einem reichen Erfahrungsschatz in die Heimat zurück und legte eine Reihe von Stationen zurück: drei Jahre in der Bäckerei bei Alcide Epiney in Vissoie; Erwerb des Abschlusses des Kurses zum Café- und Restaurantbetreiber; fünf Jahre lang Leitung des Restaurants in Tignousa; anschliessend drei Jahre lang Leitung des «Café des Alpes». Während dieser Jahre in der Küche reifte langsam eine ganz andere Idee heran, die er zusammen mit drei Freunden in die Tat umsetzte: den Kauf eines alten Saurer-Busses aus dem Jahr 1941 und dessen Restaurierung. Parallel dazu erwarb er seine Berufszulassungen und schlug einen völlig neuen Weg ein: Er wurde Buschauffeur.
Dieser neue Lebensrhythmus verschafft ihm etwas, was ihm die Gastronomie nie geboten hatte: Freizeit; Zeit, die er bewusst dem lokalen Leben widmet. 2012 tritt er dem Gemeinderat von Chandolin bei, wo er für die Ressorts Weinbau, Gebäude und Alpwirtschaft zuständig ist, und wird 2025 dessen Präsident. Über dieses Amt hinaus lässt er keine Gelegenheit aus, sich persönlich einzubringen, sei es beispielsweise beim Backen von Roggenbrot für die Société du Village Fang, beim Öffnen des Weinkellers der Bourgeoisie für eine Degustation des «Vin des Glaciers» oder als offizieller Pate der neuen Einwohner des Tals.
Im Jahr 2019 verwirklicht er ein seit langem gereiftes Projekt, das seine Leidenschaften vereint: Auf Initiative von Bernard Crettaz und Adriana Tenda Claude ins Leben er die Panorama-Touren mit alten Saurer-Car-Bussen – eine Retro-Fahrt, untermalt mit historischen Erläuterungen von Persönlichkeiten aus dem Tal. Paul-André Florey, dann Charly Abbé und heute Simone Salamin und Jean-Marc Caloz – lokale Persönlichkeiten, die unkonventionelle Themen ansprechen, die dennoch eng mit der Identität des Val d’Anniviers verbunden sind, wie Architektur, das Rütteln der Champagnerflaschen, das Gastgewerbe, das Bergsteigen oder auch die Stellung der Frau.
Er, der das Tal wie seine Westentasche kennt, der so viele Anekdoten, Menschen und Geschichten kennt, tut sich dennoch schwer, sich zu entscheiden, wenn man ihn nach seinem Lieblingsort fragt: «Ganz ehrlich, ich glaube, ich bin in das gesamte Val d’Anniviers verliebt». Er gibt jedoch zu, eine kleine Schwäche für Ponchet zu haben, einen Ort voller Erinnerungen, an dem er gerne Zeit mit seiner Familie und seinen Freunden verbringt. Sébastien ist aufgrund seines Engagements, aber auch wegen seiner Gutmütigkeit und seiner Offenheit eine unverzichtbare lokale Persönlichkeit. Am 14. und 21. Oktober wird er den «Vieux Car» wieder in Betrieb nehmen, für die beiden letzten Fahrten des Jahres. Eine Gelegenheit, in die Vergangenheit zu reisen und vor allem diesen Charakter kennenzulernen!