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Post 22. Kapelle Saint-Jean-Baptiste

Die Kapelle Saint-Jean-Baptiste im unteren Saint-Jean zieht durch ihre Ausmasse und optische Verbindung ihres Glockenturm mit dem Gipfel des Zinalrothorns, die Aufmerksamkeit aller Besucher an. Erbaut wurde sie zwischen 1661 und 1686 als Ersatz für eine ältere Kapelle von Anfang des 16. Jahrhunderts.

Plan von St-Jean

Das Dach, zuvor mit Schindeln gedeckt, und die Kirchenfenster mussten nach der Explosion von 1955 erneuert werden. Die letzte Renovierung wurde 2003 vorgenommen.

Der heilige Johannes der Täufer ist in vielfacher Hinsicht aussergewöhnlich. Er wird zweimal gefeiert : das erste Mal am 24. Juni, an der Sommersonnenwende, und das zweite Mal am 29. August, am Patronatsfest von Saint-Jean. Nach seiner Enthauptung, wurde sein Kopf auf einer Schale zu Salome, der Tochter des Herodes, gebracht.

Die enorme Grösse des Heiligtums ist auf seinen Urheber, Pfarrer Egide Massy ( 1634- 1697 ), welcher über ein reiches Erbe verfügte, zurückzuführen. Als Pfarrer im Val d’Anniviers verspürte er den Wunsch, eine Pfarrkirche in Saint-Jean, seinem Heimatdorf, zu erbauen. Zu jener Zeit gab es nur eine Kirche im Tal und zwar in Vissoie. Die Kapelle erreichte diesen Status jedoch nie, daher gab es auch weder Friedhof, Glockenturm oder Taufbecken.

Sie ist eine der wenigen Kapellen im Val d’Anniviers, die ihre Authentizität und Einrichtung erhalten konnte. Bei den drei Altarretabeln handelt es sich um die wahren Schätze der Kapelle. Geschnitzte und bemalte Holzwerke, die Bilder der heiligen Schutzpatrons umrahmend, stammen aus den Händen erfahrener, einheimischer oder zu dieser Zeit vorbeikommender Künstler.

Der Hauptaltar verfügt über zwei Bilder. Das Hauptbild stellt die Taufe Christi durch den heiligen Johannes dar, den Urheber, Egide Massy, rechts kniend weist das Datum von 1684 auf. Das kleinere Bild oben zeigt die Himmelfahrt der Jungfrau. Der Tabernakel weist noch die ursprüngliche Polychromie auf, mit den gemalten Figuren des auferstandenen Christus, umgeben von den heiligen Georg und Mauritius.

Im Kirchenschiff auf der rechten Seite steht der Altar mit St. Charles und St. Theodul. Links dann der Altar mit der Heiligen Familie und einem sehr schönen Gemälde des heiligen Josef und der Jungfrau Maria, umgeben vom Kind Jesus, gekrönt durch die Taube des Heiligen Geistes und Gott Vater. Die Hälfte der Sitzbänke, die auf der Chorseite, ist noch original, die andere Hälfte wurde bei der Restaurierung 1881 ersetzt. Die Stationen des Kreuzwegs und die Altarfronten stammen aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts. Im Kirchenchor erinnert ein Bild aus dem 19. Jahrhundert an die Enthauptung des heiligen Johannes des Täufers.

Der durch den Pfarrer Egide Massy 1680 gespendete Kelch wird zusammen mit einigen Objekten und Möbeln aus der gleichen Zeitepoche aufbewahrt, ebenso die Sammlung von wunderschönen Messgewändern von 1670 bis in die jetzigen Tage.

 

Nachdem wir den Frieden und die Kühle in diesem bemerkenswerten Gebäude geniessen konnten, steigen wir hinunter bis zur Tür, welche den Abschluss des historischen Rundgangs von Saint-Jean macht. Und oh, unsere Freunde, die Rückkehrer, haben sich davon gemacht ! Jetzt wird es Zeit, das Café aufzusuchen, wo uns noch viele Geschichten erwarten.