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Chandolin Post 3. Chalet Edmond Bille

1905 liess Edmond Bille ( 1878-1959 ) das Chalet les Mélèzes bauen. Nach seiner Ausbildung in Paris reiste der junge Neuenburger Kunstmaler im Jahr 1900 das erste Mal nach Chandolin. Er kam auf Anfrage des Pastors Frédéric de Rougemont, einem Freund der Familie, nach Chandolin. Nach seinem in Grimentz verbrachten Urlaub gab der Pastor dem jungen Maler ein Bild in Auftrag : er sollte den « Sphinx », also das Matterhorn, von diesem hochgelegen Ort aus malen.

   Plan von Chandolin

 

Um dieses riesige Leinwandbild realisieren zu können, wohnte Edmond Bille über zwei Monate in der Pfarrei und pflegte mit dem damaligen Pfarrer eine schöne Freundschaft.

Er konnte sich dem Charme des Wallis nicht entziehen und liess sich 1904 mit seinem Atelier in Siders nieder, ein Jahr später wurde sein wunderschönes Chalet in Chandolin gebaut. Das Chalet bezeichnete er als seinen Ort der Inspiration. Ins Chalet Les Mélèzes wurden viele Künstlerfreunde eingeladen, die, wie auch der Besitzer selbst, ihren Aufenthalt nutzten, um die Staffelei zum Malen aufzustellen, aber auch um Sport zu betreiben : sie waren die Ersten, die auf Skiern die schneebedeckten Hänge runterfuhren.

1912 liess Edmond Bille oberhalb von seinem Chalet ein Atelier bauen, um unter besseren Bedingungen malen zu können. Dieses Atelier wurde zu einem späteren Zeitpunkt in einen Wohnsitz umgebaut.

Von Anfang an sehr am Alltag der Bergbevölkerung interessiert, malte er seit seiner Ankunft Bilder über deren Leben. Die erfolgreiche Herausgabe des Buches Le Village dans la Montagne im Jahre 1908 mit den Texten vom Waadtländer Schriftsteller Charles-Ferdinand Ramuz ist Edmond Bille zu verdanken.

Zahlreiche Bilder und Gravuren zeugen von tiefer Liebe zu seiner Wahlheimat. In seinem Atelier in Siders schmückt ein Zitat von Théophile Gautier die Wand : Jeder Künstler besitzt eine ideale Heimat, oftmals weit von seinem Land entfernt. Die besondere Atmosphäre fördert sein Talent und es zieht ihn immer wieder dorthin. Hier gedeihen und wachsen seine schönsten Ideen.

Der engagierte Maler verfasste auch Chroniken über das politische und kulturelle Leben im Wallis. Anlässlich des ersten Weltkrieges beteiligte er sich an einer Publikation über Schweizer Politik L‘Arbalète und während dieser turbulenten Zeit empfing er in Siders Romain Rolland oder auch Pierre-Jean Jouve.

Zahlreiche Kirchen, wie die in Chandolin ( Chorraum ), Chamoson und Fully, aber auch die Abtei in St. Maurice wurden durch ihn verschönert. Er ist der Schöpfer des riesigen Kirchenfensters im Rathaus Martigny, eine weltliche Komposition, reich an historischen Zitaten und Mythologie.

Zwei Kinder von Edmond Bille hinterliessen ebenfalls ein künstlerisches Erbe : die Schriftstellerin S. Corinna Bille und der Fotograf und Tierfilmemacher René-Pierre Bille.

 

S. Corinna Bille ( 1912-1979 )

Ihre Kindheit verbrachte sie einerseits während den Ferien im grossen Chalet in Chandolin und andererseits im eindrucksvollen Anwesen von Edmond Bille in Siders. Richtig hiess sie Stéphanie, nahm aber den Künstlernamen Corinna an, abgeleitet von Corin, dem Heimatort ihrer Mutter.

Dieses Mädchen mit einer lebhaften Phantasie war bereits mit zwanzig Jahren das „Script-Girl“ beim Film Rapt von Regisseur Dimitri Kirsanoff, nach einem Buch von Ramuz La séparation des races. Bei den Dreharbeiten begnete sie einem Schauspieler und folgte ihm nach Paris. Die Ehe zerbrach und Corinna kam 1936 desillusioniert zurück ins Wallis. Wegen einer Rippenfellentzündung verbrachte sie mehre Aufenthalte in Chandolin und profitierte von dieser Zeit, um zu schreiben.

Durch eine Veröffentlichung in der Anthologie junger Dichter machte sie die Bekanntschaft von Georges Borgeaud, welcher ihr 1942 Maurice Chappaz vorstellte, ebenfalls Dichter und Verfasser unter anderem von Le Match Valais-Judée und Les Maquereaux des cimes blanches. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor, sie lebten an mehreren Orten bis sie sich schliesslich in Veyras niederliessen.

Der erste Roman von Corinna, Théoda, erschien 1944, gefolgt von Le Sabot de Vénus 1952, Geschichten geprägt von ihrer Liebe zum Wallis und den Erzählungen ihrer Mutter über das einstige Bauernleben.

S. Corinna Bille bekam viele Preise : 1974 den Schiller-Preis und 1975 den Goncourt-Literaturpreis für La Demoiselle sauvage. Die Naturliebhaberin Corinna hinterliess ein reiches Lebenswerk voll blühender Phantasie, wie etwa Douleurs paysannes, Le Pays secret, La Montagne déserte, Soleil de la nuit, Le Bal double Le Salon ovale, Deux passions.

S. Corinna Bille liebte es, zu reisen. Ihre Reisen führten sie in den Libanon, mehrere Male nach Afrika, genauer gesagt Abidjan ( Elfenbeinküste ), weil dort ihr ältester Sohn arbeitete. Sie unternahm 1974 eine offizielle Reise in die Sowjetunion, später dann nochmals zwei, die letzte 1979 kurz vor ihrem Tod.

Einige ihrer Bücher wurden auf Deutsch, Italienisch, Englisch und auch Russisch übersetzt.

Wenn sie gefragt wurde, warum sie schreibe, antwortete sie : « Glück und Leid sind schwer zu ertragen. Schreiben bedeutet, Heilung des Untragbaren. Meine Arbeit allein gibt mir den Ausgleich und die notwendige Kraft, die mir weder das soziale oder religiöse Umfeld, noch das Abenteuer und auch nicht die Mutterschaft geben können ».

 

René-Pierre Bille ( 1915-2006 )

Wie seine Schwester verbrachte auch er seine Schulferien in dem grossen Chalet von Edmond Bille. Als Natur- und Tierliebhaber hatte er schon sehr jung den Wunsch nach einem Leben abseits der vorgegebenen Pfade. Vier Gedichtsammlungen veranschaulichen diesen Zeitraum : « Empreintes » « Terres sauvages », « Dégel » und « Journal d’un bohème ».

1945 lässt er sich in Chandolin nieder und erledigt gemeinsam mit den Einwohnern die anfallenden Arbeiten. Er beginnt zu schreiben, seine zahlreichen Artikel über die Tierwelt und das Bergbauernleben erscheinen in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften.

Sein Jagdgewehr tauschte er gegen einen Fotoapparat ein und macht sich auf Sujetsuche, wobei er jeden Tag, den er im Gelände verbrachte, mehr über den schwierigen Beruf eines Naturforschers erfuhr.

Mit Ella Maillart, die von seinem Vater Edmond Bille eingeladen war, sich zwischen zwei Reisen in Chandolin zu erholen, verband ihn eine tiefe Freundschaft. Durch sie lernte er 1950 Samivel kennen, dieser suchte einen Assistenten für die Dreharbeiten seines Filmes « Cimes et Merveilles ».

Als verheirateter Mann und Familienvater, erstand er 1954 seine erste gebrauchte Kamera und vier Jahre später erschien sein eigener Film « Le Monde sauvage de l‘Alpe » und erhielt am Trento-Festival 1958 einen Preis dafür. Im Rahmen der Konferenz « Connaissance du Monde » und bis 1985 kommentierte und stellte er seine Bilder voller Poesie zahlreichen Zuschauern in der Schweiz, in Frankreich, in Belgien und sogar in Kanada vor.

René-Pierre Bille veröffentlichte mehrere Naturbücher. Auch in vielen wissenschaftlichen Publikationen sind seine Fotos zu finden.

Wie sein Vater Edmond Bille erhielt auch René-Pierre das Ehrenbürgerrecht von Chandolin.

Der 2006 verstorbene Fotograf, Filmemacher, Schriftsteller und „Conférencier“ schrieb : « Ich verdanke der Natur alles. Die Bilder vermitteln tiefe und reine Gefühle und schenken mir reiche Lebensmomente. Ohne diese tägliche und ganzjährige Suche hätte ich wahrscheinlich jegliche Sinn und Geschmack am Leben verloren ».

 

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