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Chandolin, von gestern bis heute

1250 nannte sich das Dorf Eschandulyns, aus dem Lateinischen abgeleitet « escandulina », was soviel wie Schindeln bedeutet. Gemeint sind die Lärchenholzbretter mit denen die Dächer gedeckt wurden. Um zu ihren Bergweiden in Chandolin zu gelangen, gingen die Einwohner von Leuk vermutlich bis ins 14. Jahrhundert über den Berghang des Illgrabens. Durch die immer häufiger auftretenden Felsabgänge musste dieser Weg aufgegeben werden.

   Plan von Chandolin

 

Im 15. Jahrhundert entstand hier ein Bergweiler, welcher später zu einem Dorf wurde mit all den einzigartigen Merkmalen, die höher gelegene Weiler wie Rèche auf 1700 Meter über Meer und Soussillon auf 1380m aufweisen. Soussillon war bei der Transhumanz ( saisonale Wanderungen zwischen dem Tal und den Weilern ) eine der Zwischenetappen. Beim Talaufstieg stellten die Bewohner von Chandolin hier ihr Fuhrwerk ab und liessen auch das von ihnen nicht benötigte Material zurück. Weiter ging es zu Fuss, die unentbehrlichen Sachen und das Viehfutter wurden von den Maultieren getragen. Der schmale Weg zwischen Soussillon und Chandolin konnte nicht mit den Fuhrwerken befahren werden.

Chandolin war Mitglied der Kirchgemeinde des Eifischtals mit Sitz in Vissoie, ab 1806 dann von St. Luc. 1884 teilte sich die Kirchgemeinde St. Luc auf und Chandolin wurde eine selbstständige Kirchgemeinde.

Mit der Eröffnung des Grand Hotels 1897 durch Pierre Pont begann sich der Tourismus zu entwickeln. 1960 kam es zu enormen Veränderungen : nach vielen mühsamen Jahren des Transportierens auf dem eigenen Rücken oder auf Maultieren wurde schlussendlich die Strasse ab St. Luc gebaut ; die 1943 von den Einheimischen realisierte Plamprasstrasse zum alten Dorf wurde asphaltiert ; das Hotel Plampras wurde erbaut und das Dorfviertel mit dem Verkehrsverein begann Form anzunehmen.

Der Bau des Skilifts Illhorn 1961 war endgültig der Startschuss für Chandolin als Wintersportort.

 

Die neue Strasse

Mit dem Bau der Strasse zwischen St. Luc und Chandolin begann eine neue Ära :« Die neue Strasse bin ich das erste Mal zu Fuss gegangen zusammen mit meiner Mutter und meinem Onkel, da noch kein Postauto bis Chandolin fuhr. Um zum Postauto zu gelangen, mussten wir wieder zu Fuss nach St. Luc runter gehen. Unsere Umsiedlungen ins Tal wurden dann durch die Strassenzufahrt bis Chandolin einfacher und eine neue Welt öffnete sich uns. Jeden Sonntagabend bestiegen wir das Postauto, um nach Siders zu fahren und während der Woche dort in die Schule zu gehen. Mit Vergnügen bestiegen wir dann am Samstag wieder das Postauto, um für das Wochenende oder für die Schulferien nach Chandolin zu fahren. Dank dem Tourismus verbesserte sich das Leben der Einheimischen. Der Aufschwung hielt mit Hilfe seiner motivierten Einwohner an und Chandolin wurde zu dem Sommer- und Wintersportort, wie Sie ihn heute mögen ; auch ich selber wohne noch hier. ( Huguette Epiney ) »

 

Chandolin einst und jetzt

Die Einwohner von Chandolin haben enorme Arbeit geleistet, um aus diesem kleinen Dorf einen Ferienort zu schaffen.« Es ist Winter, es schneit. Sie kommen für den Urlaub nach Chandolin. Die Kantonsstrasse ist geräumt und Sie erreichen das Dorf ohne Probleme. Bei Schneefall kommt in Kürze der Schneeräumdienst. In den Jahren 1940-1950 gab es noch keine Strassen. Schmale Strassen wurden durch die Männer des Dorfes mit der Schaufel geräumt. Die Schneeräumung wurde gemacht, damit die Kühe zur Tränke, die Kinder in die Schule und der Pfarrer in die Kirche gehen konnten. Bei anhaltendem Schneefall waren die Männer unermüdlich auf den Wegen am Räumen. Es kam aber auch vor, dass sie einem Maultier einen Holzschneepflug in Dreiecksform anspannten. Es ist Sommer, Sie sehen einen Bauern auf dem Feld, der mit seinem Motormäher am Mähen ist. Bald kommt auch der Heulader, um das Heu abzuholen und in den Gemeinschaftsstall zu bringen. Das Heu wird den Kühen im Winter durch ein Silo abgegeben. Dank Wassertrögen müssen die Kühe Winters nicht mehr zur Tränke geführt werden.

In den Jahren 1940-1950 musste das Gras stundenlang mit der Handsense gemäht werden. Die Sense wurde immer wieder sorgfältig mit einem Wetzstein geschliffen. Das in Haufen gesammelte Heu kam auf ein Tuch und musste mit einem Seil fest zusammengeschnürt werden. Die Bauern transportierten die Heuballen auf ihrem Kopf bis in die Dorfscheunen. Zu dieser Zeit gab es noch keine Silos, also holten die Bauern im Winter das Heu aus den Scheunen und brachten es zu den Kühen in den Stall. Des weiteren mussten die Kühe zweimal am Tag zur Tränke geführt werden. Einen grossen Teil des Winters verbrachte das Vieh in den Weilern, wo im Sommer das Futter eingelagert worden war. ( Huguette Epiney ). »