
Nach mehreren Jahren, in denen sie Projekte im Bereich der nachhaltigen Entwicklung im öffentlichen Sektor leitete, verspürte Sarah Huber das Bedürfnis, näher an die Praxis zu rücken. Gemeinsam mit ihrem Partner, der aus dem Val d’Anniviers stammt, entschied sie sich, auf die Alp Cottier oberhalb von Zinal zu ziehen. Dort kann sie ihren Überzeugungen eine konkrete Form geben. «Früher versuchte ich, Projekte voranzubringen. Heute kann ich selbst handeln, mit den Händen in der Erde.», erzählt sie.
Heute baut Sarah als Kräuterbäuerin Heilpflanzen auf knapp 2’000 Metern über Meer an, erntet und verarbeitet sie. Ihren Beruf beschreibt sie mit vier Verben: anbauen, sammeln, verarbeiten und weitergeben. «Ich mag es, die Pflanzen während ihres ganzen Lebenszyklus zu begleiten.», erklärt sie. Diese Beziehung setzt sich in ihrer Werkstatt fort, wo sie Sirupe, Öle, Salben und natürliche Pflegeprodukte herstellt.
Vor der eindrucksvollen Kulisse von Zinal profitiert ihr Garten von einem überraschend günstigen Mikroklima, das zahlreichen Pflanzen trotz der Höhenlage ein gutes Wachstum ermöglicht. Die Saison ist hier kurz, aber intensiv, die Biodiversität bemerkenswert und Pflanzenkrankheiten sind selten. Dieses einzigartige Umfeld prägt sowohl ihre Arbeit als auch ihren Alltag.
Im Sommer öffnet Sarah ihre Welt bei Führungen und Entdeckungstagen für Besucherinnen und Besucher. Dabei geht es nicht nur um Fachwissen: Sie lädt dazu ein, Pflanzen mit allen Sinnen zu entdecken, sie zu berühren, zu riechen, zu schmecken und die Geschichten, Traditionen und das Wissen kennenzulernen, die mit ihnen verbunden sind. «Ich versuche, eine sinnliche Verbindung zu schaffen», fasst sie zusammen. Unter den vorgestellten Pflanzen nimmt die Meisterwurz (Peucedanum ostruthium) einen besonderen Platz im kulturellen Erbe des Val d’Anniviers ein.
Auf der Alp Cottier kommen die Besucherinnen und Besucher nicht nur, um handwerkliches Wissen zu entdecken, sondern auch, um eine Auszeit zu erleben. Einen Moment, um zu entschleunigen, tief durchzuatmen und sich in einer aussergewöhnlichen Umgebung wieder mit der Natur zu verbinden.
Mit ihrer Arbeit, ihren Führungen und den Begegnungen, die sie ermöglicht, vermittelt Sarah eine achtsame Art, die Berge zu erleben, im Rhythmus der Jahreszeiten und in enger Verbundenheit mit der lebendigen Natur. Hinter ihrem beruflichen Neuanfang steht ein roter Faden, der sie schon lange begleitet: die Suche nach einem Gleichgewicht zwischen menschlichem Handeln und der Natur. Heute zeigt sich das, was früher Projekte und Überlegungen waren, ganz konkret in ihrem Alltag. Auf der Alp Cottier hat Sarah ihren eigenen Weg gefunden, ihre Überzeugungen zu leben.